Das Gesetz

Welche Änderungen bringt das neue Energiegesetz?

Das Energiegesetz des Kanton Aargau befasst sich hauptsächlich mit dem Energieverbrauch der Gebäude. Andere Energienutzungen wie z.Bsp. die Mobilität sind auf Bundesebene geregelt und nicht Teil dieser Abstimmung.

Das revidierte Energiegesetz wird folgende wesentliche Änderungen bringen:

  • Wärmenutzung in Gebäuden & Gebäudetechnik
    Gebäude sollen effizient und sparsam im Energieverbrauch sein und wo möglich erneuerbare Energie nutzen. Neubauten müssen strengere Grenzwerte einhalten die aber nach heutigen Massstäben einfach erreicht werden können. Der Leitsatz für die effiziente Energieverwendung ist: Die beste Energie ist diejenige, die nicht genutzt wird. Mehr dazu.
  • Eigenstromerzeugung bei Neubauten
    Neubauten müssen einen Teil ihrer Elektrizität selber erzeugen. Die Technologie ist nicht vorgeschrieben. Wer sich an einer gemeinschaftlichen Anlage beteiligt, kann von dieser Pflicht befreit werden. Mehr dazu.
  • Heizungsersatz
    Wer seine Heizung ersetzt, muss künftig mindestens 10% der Energie durch erneuerbare Energie bereitstellen. Das kann geschehen durch Effizienzmassnahmen, alternative Technologien oder durch die Beimischung von Biogas, falls z.Bsp. Erdgas verwendet wird. Ölheizungen sind nicht verboten, doch wer rechnet, setzt bereits heute auf erneuerbare Energie. Mehr dazu.
  • Elektroheizungen
    Zentrale Elektroheizungen dürfen nicht eins zu eins ersetzt werden. Der Grund dafür ist, dass dieselbe Wärmemenge mit Wärmepumpen viel effizienter bereitgestellt werden kann. Mehr dazu.
  • Gebäudeautomation
    Neue Verwaltungs- & Verkaufsgebäude sowie Restaurants werden mit einer Gebäudeautomation ausgerüstet, damit eine effiziente Nutzung stattfinden kann. Mehr dazu.

Daneben bringt das Energiegesetz Änderungen für Nichtwohnbauten. Diese müssen eine Betriebsoptimierung vornehmen und oder Zielvereinbarungen eingehen damit sie effizienter werden und weniger Energie verbrauchen.

Das Gesetz

§ 3a (neu)
Grundsatz

Bauten und Anlagen sowie damit zusammenhängende Ausstattungen und Ausrüstungen sind so zu planen und auszuführen, dass die Energie, insbesondere auch die Elektrizität, sparsam und rationell genutzt wird. Soweit möglich sind Abwärme und erneuerbare Energien zu nutzen.

§ 4a (neu)
Anforderungen an die Deckung des Wärmebedarfs von Neubauten

1 Neubauten und Erweiterungen bestehender Gebäude (Aufstockungen, Anbauten usw.) müssen so gebaut und ausgerüstet werden, dass ihr Bedarf für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Klimatisierung auf ein Minimum reduziert wird.

2 Der Regierungsrat regelt durch Verordnung Art und Umfang der Anforderungen an den Energieeinsatz. Er berücksichtigt dabei insbesondere die Wirtschaftlichkeit sowie besondere Verhältnisse wie Klima, Verschattung oder Quartiersituationen.

§ 4b (neu)
Sanierungspflicht zentraler Elektro-Wassererwärmer

1 Der Ersatz eines zentralen Elektro-Wassererwärmers ist meldepflichtig.

2 Bestehende zentrale Wassererwärmer, die ausschliesslich direkt elektrisch beheizt werden, sind bei Wohnnutzungen innerhalb von 15 Jahren nach Inkrafttreten dieser Bestimmung 1) durch Anlagen zu ersetzen oder durch andere Einrichtungen zu ergänzen, die den Anforderungen dieses Gesetzes entsprechen.

3 Der Regierungsrat kann durch Verordnung Befreiungen vorsehen.

§ 5a (neu)
Anforderung Eigenstromerzeugung

1 Bei Neubauten muss zur Deckung des eigenen Energiebedarfs, höchstens aber bis zu einer Leistung von 30 kW, im, auf oder am Gebäude eine Elektrizitätserzeugungsanlage mit einer Leistung von mindestens 10 Watt pro Quadratmeter Energiebezugsfläche (EBF) installiert werden.

2 Gleichwertig ist eine Beteiligung im entsprechenden Umfang an einer Elektrizitätserzeugungsanlage, wenn das Datum der Inbetriebnahme für die Anlage nicht mehr als 3 Jahre vor oder nach der Rechtskraft der Baubewilligung für die Neubaute liegt und sich die Anlage im Aargau befindet.

§ 7a (neu)
Erneuerbare Wärme bei Ersatz des Wärmeerzeugers

1 Der Ersatz des Wärmeerzeugers ist meldepflichtig.

2 Beim Ersatz des Wärmeerzeugers sind bestehende Bauten mit Wohnnutzung so auszurüsten, dass der Anteil an nichterneuerbarer Energie 90 % des massgebenden Bedarfs nicht überschreitet. Für die Festlegung der Standardlösung gilt ein massgebender Energiebedarf für Heizung und Warmwasser von 100 kWh pro m² und Jahr.

3 Eine der möglichen Standardlösungen ist die Verwendung von Gas oder Öl als Brennstoff, wenn:

a) im Meldeverfahren und bei Nachkontrollen der Nachweis erbracht wird, dass während einer angenommenen Lebensdauer der Anlage von 20 Jahren ein zwischen dem zuständigen Departement und der Branche vereinbarter Mindestanteil erneuerbarer Energie bezogen wird. Die Energielieferanten stellen die Überprüfbarkeit der Zertifikate für die im Standardprodukt enthaltenen Anteile erneuerbarer Brennstoffe sicher und geben dem Departement auf Verlangen Einsicht,

b) im Meldeverfahren Zertifikate über erneuerbare Energie abgegeben werden, die den Nachweis gemäss Absatz 2 für eine angenommene Lebensdauer der Anlage von 20 Jahren periodengerecht erbringen.

4 Die Anwendung der Standardlösung gemäss Absatz 3 setzt überdies voraus, dass:

a) der Einsatz dieser Brennstoffe unter Berücksichtigung der nationalen Gewichtungsfaktoren soweit anrechenbar ist, als er im Treibhausgasinventar der Schweiz im laufenden oder in den beiden Vorjahren eine Emissionsminderung bewirkt,

b) die Zertifizierung durch anerkannte Stellen vorgenommen wird,

c) die Bilanzierung von einer anerkannten, zentralen Stelle vorgenommen wird, deren Daten soweit nötig öffentlich über Internet einsehbar sind.

 

5 Der Regierungsrat regelt die Einzelheiten durch Verordnung.

 

§ 9a (neu)
Grundsatz Gebäudeautomation

1 Im Hinblick auf einen möglichst tiefen Energieverbrauch sind Neubauten der Kategorien III bis XII (SIA 380/1 1) ) mit Einrichtungen zur Gebäudeautomation auszurüsten, soweit dies technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist.

2 Der Regierungsrat regelt das Verfahren und die Einzelheiten durch Verordnung.

§ 9b (neu)
Grundsatz Betriebsoptimierung

1 In Nichtwohnbauten ist innerhalb dreier Jahre nach Inbetriebsetzung und danach periodisch eine Betriebsoptimierung für die Gewerke Heizung, Lüftung, Klima, Kälte, Sanitär, Elektro und Gebäudeautomation vorzunehmen. Ausgenommen sind Bauten und Anlagen von Grossverbrauchern, die mit der zuständigen Behörde eine Vereinbarung gemäss § 10 Abs. 2 abgeschlossen haben.

2 Der Regierungsrat regelt das Verfahren und die Einzelheiten durch Verordnung.